Gegen Vandalismus geschützter Streugutbehälter
Zum Winter gehört Schnee einfach dazu, zumal auf der Ostalb. Schneemänner bauen und Skifahren sind sehr beliebt. Nur auf den Straßen sorgen winterliche Verhältnisse nicht gerade für Lebensfreude pur. Zur Vorbeugung vor ungewollten Schlitterparteien wird gestreut. Das Salz dazu kommt aus den Streugutbehältern mit den markanten, knallig orangefarbenen Deckeln. Häufig jedoch sind die Deckel zerstört, manchmal nur aus blindem Übermut. Dann ist das Salz nicht mehr zu gebrauchen und die Kommunen müssen für Ersatz sorgen. Das summiert sich und belastet das Stadtsäckel ganz erheblich. Diesem Missstand haben nun drei Studenten der Kunststofftechnik aus Aalen abgeholfen. Für den Weinstädter Mittelständler Chemo entwickelten sie einen vandalismussicheren Streugutbehälter.
Die Anforderungen an einen solchen Behälter sind komplex und widersprechen sich sogar teilweise. „Das Maß für die Widerstandsfähigkeit eines Materials gegen Schläge oder Tritte ist dessen Schlagzähigkeit“, erklärt der Student Jochen Fritz. Üblicherweise nehmen jedoch mit steigender Schlagzähigkeit andere Festigkeiten eines Kunststoffes ab, so dass der Gegenstand seine Gesamtsteifigkeit verliert. Übertragen auf den Streubehälter heißt das, dass er umso instabiler wird, je vandalismussicherer das Material ist. „Außerdem darf der Kunststoff nicht brennen und muss gegen Streusalz beständig sein“, sagt Studiengangleiter Prof. Dr. Karl-Hans Leyrer, der seitens der Hochschule das Projekt betreute. Ein ganzes Semester hirnten und experimentierten die Studenten, bis sie einen Kunststoff gefunden hatten, der zugleich schlagzäh und formstabil ist.
Zehn Kilogramm wiegt der Fallbolzen, der aus einer Höhe von 3,5 Metern auf den Deckel hinuntersaust, ohne diesen zu beschädigen. „Bisher hielt das Material noch nicht einmal einer Fallhöhe von 50 Zentimetern stand“, beschreibt Prof. Dr. Leyrer stolz den technologischen Fortschritt seiner Studenten. Auch eine Schneelast von vier Metern bereitet dem vandalismussicheren Streubehälter keine Schwierigkeiten: Er trägt das Gewicht, ohne seine Form zu verändern. Der Geschäftsführer der Chemowerk GmbH, Dr. Tilmann Schultz, war derart begeistert von der Leistung der Aalener Kunststofftechniker, dass er den neu entwickelten Behälter sofort in sein Produktsortiment aufnahm.
„Was kann es für ein Hochschulteam eine höhere Auszeichnung geben, als dass ein von ihm entwickeltes Produkt in der Industrie in Serie geht?“, fragt Prof. Dr. Leyrer rhetorisch und fügt hinzu: „Das ist der beste Beleg dafür, wie praxisnah wir unsere Studenten ausbilden.“ Jochen Fritz nickt zustimmend.
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