Qualifikationsprofile in Arbeitsfeldern der Pädagogik der Kindheit
Für das Programm „Profis in Kitas“ (PiK) der Robert Bosch Stiftung hat das Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (HoF) Ausbildungswege und Entwicklungstendenzen im Feld der Frühpädagogik analysiert.
Im frühpädagogischen Ausbildungssektor finden seit einigen Jahren dynamische Entwicklungen statt: Reformen in der postsekundaren Fachschulausbildung einerseits und Akademisierung unter Beteiligung sämtlicher Sektoren des tertiären Bereichs andererseits. Damit wird eine Mehrstufigkeit der Qualifikationen erzeugt, die unter anderem die Teilakademisierung des Berufsfeldes einschließt:
• An dieser sind alle tertiären Einrichtungstypen von der Berufsakademie über die FH und PH bis zur Universität beteiligt.
• Die hochschulischen Bildungsangebote sind zudem differenziert nach Zertifikats-, Bachelor- und Masterprogrammen, grundständigen und berufsbegleitenden Angeboten sowie nach inhaltlichen Schwerpunktsetzungen.
• Mittlerweile gibt es 83 Studienangebote, die im engeren Sinne frühpädagogisch orientiert sind. Werden frühpädagogisch affine und Kita-Management-Studiengänge hinzugerechnet, ergeben sich insgesamt 92 Angebote.
• Die Studienangebote werden jährlich ca. 2.500 Absolventinnen und Absolventen hervorbringen. Parallel werden die Fachschulen für Sozialpädagogik auch weiterhin jährlich ca. 16.600 Absolventinnen und Absolventen entlassen – und damit, wie bisher, den weitaus größeren Teil an Fachpersonal ausbilden.
• Obwohl für das Berufsfeld der Frühpädagogik in den nächsten Jahren von einer weitergehenden Teilakademisierung auszugehen ist, wird es zu keinem Verdrängungswettbewerbs zu Gunsten der Hochschulen kommen, da der Fachkräftebedarf in den kommenden Jahren insgesamt wachsen wird.
• Zudem verflüssigt sich die institutionelle Trennung zwischen dem Ausbildungssektor und dem Hochschulbereich teilweise: Durch die Einführung formeller Anerkennungsverfahren sollen inhaltliche Wiederholungen auf verschiedenen Ausbildungsebenen vermieden werden.
Diese Entwicklungen wecken vor allem bei Ausbildungsinteressenten und Studiengangsentwicklern das Bedürfnis nach stärkerer Vergleichbarkeit. Im Auftrag der Robert Bosch-Stiftung wurde daher die Frage untersucht, welche Charakteristika die frühpädagogischen Ausbildungsangebote auf den unterschiedlichen Ebenen aufweisen, aber auch welche Gemeinsamkeiten zu finden sind. HoF wertete hierfür die in den letzten Jahren entstandenen frühpädagogischen Fachqualifikationsrahmen auf inhaltliche und strukturelle Überschneidungen wie Abgrenzungen aus, systematisierte das Ausbildungs- sowie das Berufsfeld und stellte die Institutionentypen Fachschule für Sozialpädagogik und Hochschulen vergleichend dar. Eine von der Stiftung berufene Expertengruppe entwarf parallel ein „Erweitertes Qualifikationsprofil“. Dieses beschreibt jeweils für die Fachschul-, Bachelor- und Masterebene die zu erwerbenden Kompetenzen, gegliedert nach beruflichen Handlungsfeldern und Prozessschritten frühpädagogischen Handelns.
Die so entstandene Veröffentlichung ist zugleich die Abschlusspublikation der zweiten Förderphase des Robert-Bosch-Programms „Profis in Kitas“ (PiK), an dem HoF seit 2006 in verschiedenen Expertengruppen und mit Gutachten mitgewirkt hat.
Robert Bosch Stiftung (Hrsg.): Qualifikationsprofile in Arbeitsfeldern der Pädagogik der Kindheit. Ausbildungswege im Überblick, Stuttgart 2011, 114 S. Download:
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/downloads/RobertBoschStiftung
_Studie_PiK_2011_Ausbildungswege.pdf
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Johannes Keil M.A.
(johannes.keil@hof.uni-halle.de; Tel. 03491 466-236)
Prof. Dr. Peer Pasternack
(peer.pasternack@hof.uni-halle.de; Tel. 03491 466-254)
Dr. Simone Stelzmüller
(simone.stelzmueller@bosch-stiftung.de; Tel. 0711 460 84-596)
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